budde1 150x200In seiner heutigen Sitzung würdigte der Landtag von Sachsen-Anhalt in einer gemeinsamen Aktuellen Debatte aller vier Fraktionen. Darin erklärte Katrin Budde, Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion: „Fast genau auf den Tag vor 25 Jahren sind überall in der DDR Tausende Menschen auf die Straße gegangen, in Leipzig, in Halle, in Stendal, in Halberstadt oder in Magdeburg. Die Diktatur, das Unrecht, die Willkür, der wirtschaftliche Niedergang hatte sie in die Kirchen und auf die Straße getrieben. Eingesperrte, entmündigte Bürgerinnen und Bürger begehrten auf. Die Losung war: „Wir sind das Volk!“ Sie war nicht nur Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins, sie war ein Akt der Emanzipation.

Sie war auch politische Forderung. „Wir sind das Volk“, das hieß, wir wollten Demokratie und Volksherrschaft statt Willkür, (Unrechtsstaat) und Diktatur. Es war eine Befreiung, das laut zu sagen. Und hätten wir damals geahnt, was wir heute wissen, nämlich die Angst und die Ohnmacht des Systems gegenüber den Menschen, wir hätten es früher und lauter gerufen!

Die Menschen, die im Herbst 1989 in die Kirchen und auf die Straßen gingen waren sehr verschieden. Aber gleich welche Hoffnungen der Einzelne mit dem verband, was kommen sollte, teilten wir doch alle die eine Gewissheit: Das was ist, muss zu Ende sein.

Ich sage wir, weil ich es darf. Ich bin dabei gewesen. Wie so Viele in diesem PHiohen Haus. Ich war eine von denen, die auf dem Domplatz gestanden haben. Ich spreche daher hier und heute nicht nur als Vorsitzende meiner Fraktion, ich spreche als Friedliche Revolutionärin. Ich bin stolz, dass ich damals dabei war.

Wir sind damals auf die Straße gegangen, weil wir genug hatten. Genug von einem System, das den Stacheldraht zur Staatsdoktrin erhoben hatte, weil Mauer und Panzer und Stacheldraht am Ende das Einzige waren, was dieses System am Ende noch zusammenhielt. Dagegen stand die Doktrin der Friedlichen Revolution: „Keine Gewalt“. Irgendwann war klar: Als die Panzer schwiegen, war die Revolution gewonnen. Gegen einen bis an die Zähne bewaffneten Staat, einen ziemlich perfekten Überwachungsstaat ist diese friedliche Revolution gelungen. Am Ende blieb und bleibt sie deshalb eben auch ein Wunder.

Ein Vermächtnis des Herbstes 1989 ist die Erkenntnis, dass weniger als 5 % der Bevölkerung viel bewegt haben. Diese Erinnerung, dieses Bewusstsein sollte uns auch heute in unserem gesellschaftlichen und politischen Handeln motivieren. UNS meint das große Uns. Alle Bürgerinnen und Bürger. „Wir sind das Volk!“ „Wir sind ein Volk!“ waren die Losung von damals. Die Volksherrschaft funktioniert nur, wenn das Volk sich beteiligt. Das gilt auch nach 25 Jahren.“